"HEISSER HERBST": ZWEI INTERNATIONALE GIPFELKONFERENZEN MIT HUMANA-BETEILIGUNG
... zu brisanten Themen unserer Zeit fanden in diesem Herbst in Bonn bzw. Gudalajara (Mexiko) statt: Zur Seuche Tuberkulose und zum Klimawandel. HUMANA People to People war vertreten und präsentierte aktiv unsere Lösungsansätze und erzielten Erfolge. Hier lesen Sie mehr dazu:

Tuberkulose und Klimawandel


KAMPF DER TUBERKULOSE

Im Oktober d. J. fand in Guadalajara, Mexiko, die „48th Union World Conference on Lung Health“ statt, bei der HUMANA People to People durch Vertreter auf höchster Ebene vertreten war. Nachstehend das Statement des Obmanns der Internationalen Bewegung HUMANA People to People, Ib Hansen:


Wir können mit Tuberkulose umgehen, sie kontrollieren und mildern. Hier lesen Sie, wie’s geht!


Die größeren globalen Gesundheitskrisen vergangener Jahrzehnte erschienen zeitweise als unüberwindbar. Das Einsetzen der HIV-Epidemie in den späten 70ern und der Ausbruch der west-afrikanischen Ebola 2014 sind Paradebeispiele. Doch durch gezielte und anhaltende gemeinschaftliche Aktionen, zu einem bedeutenden Teil von der Zivilgesellschaft und den betroffenen Gemeinschaften ausgeführt, wurden solche Krisen in Angriff genommen, kontrolliert und zunehmend gelindert.

Tuberkulose ist nicht nur eine dieser Krisen. Während die Anzahl der Todesfälle aufgrund von Tuberkulose zwischen 2000 und 2015 um 22 % sank, ist TB jährlich verantwortlich für mehr Tode als sowohl durch HIV als auch durch Malaria. 2015 war TB eine der 10 häufigsten Todesursachen weltweit, mit geschätzten 10,4 Millionen neuen Fällen auf der ganzen Welt. Das ist grob gesagt ein neuer Fall auf einen von 721 Menschen auf unserem Planeten.

Darüber hinaus tritt eine steigende Zahl dieser Fälle gemeinsam mit der Infektion mit dem besser bekannten globalen Killer, HIV / AIDS, auf, durch das Auftreten von Koinfektion direkt verbunden mit erhöhten Sterblichkeitsraten. 2015 starben 1,8 Millionen Menschen an TB, 0,4 Millionen davon waren auch HIVpositiv.

Doch anders als AIDS ist TB bis zu einem gewissen Maße unter dem „Radarniveau“ des globalen öffentlichen Bewusstseins durchgeschlüpft und erhielt in den vergangenen 30 Jahren einen läppischen Anteil an den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung anderer größerer Epidemien. Ein größerer politischer Wille, Zusammenarbeit und internationale Leitung – sie alle würden dazu beitragen, TB zu bezwingen, ebenso umfangreichere Finanzierung und Forschung im Bereich arzneimittelresistenter TB-Stämme und der Komplexitäten der Koinfektion. Aber unter dem Fehlen des direkten Fokus seitens der internationalen Gemeinschaft fiel die TB-Prävention großteils in die Hände der medizinischen Gemeinschaft; bei geringen Investitionen sowohl der Zivilgesellschaft als auch der betroffenen Gemeinschaften wird es kritisch werden, die Verbreitung der Krankheit in Zukunft zu verhindern.

Diese Gruppen waren und bleiben an der Spitze der Propagierung nachhaltiger Ansätze zu Gesundheitsfragen und Pandemien weltweit – äußerst beachtenswert in Hinblick auf die scheinbar exponentielle Ausbreitung der HIV-Infektion. Die Föderation HUMANA People to People, deren Obmann ich bin, entwickelte und entwickelte das bahnbrechende Programm „Total Control of the Epidemic“ in 12 Ländern, das 6,5 Millionen Menschen erreicht und weltweit als Modell steht für HIV-Prävention.

Ein ähnlicher Ansatz ist dringend erforderlich, um die TB-Krise in den Griff zu bekommen. Während größere globale Investitionen in Forschung und Behandlung grundlegend wichtig sind, müssen die Faktoren, die eine größere Reduktion des globalen Auftretens von TB verhindern, verstärkt auf lokaler Ebene in Angriff genommen werden. Stigma, Mißtrauen und Irrglauben unter der betroffenen Bevölkerung kann nur durch direktes Engagement, die Entwicklung von Vertrauen und – grundlegend – erprobte und getestete  Ansätze für Krankheitsprävention in solchen Gemeinden in den Griff bekommen werden.

Die gute Nachricht ist: Wir wissen, wie man das macht! Der obgleich verspätete Erfolg bei der Bewältigung der HIV-Epidemie versieht uns mit einem replizierbaren und messbaren Modell. Es gibt klare Indikatoren, dass die Implementierung dieses Modells Resultate zeigen kann. Nehmen wir Mosambik als Beispiel: Die Provinz und die Stadt Maputo gehören zu den am meisten von HIV / TB belasteten Regionen Mosambiks, mit einer HIV-Prävalenz bei Erwachsenen um rund 23 % bzw. 17 % bei TB. Unter Anwendung des Ansatzes zur Bewältigung von HIV als Modell implementierte ADPP Mosambik (= HUMANA in Mosambik, d. Red.) auf Gemeinde-Ebene zwei Projekte in der Provinz Maputo mit dem Ziel, die Menschen, die mit TB durch HIV leben, zu schützen und Sterblichkeit zu vermeiden.

Die Schlüsselelemente dieser Programme sind BeraterInnen und Supervisors, in Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitseinrichtungen, die sich gemeinsam mit den lokalen Gemeinschaften Haus-zu-Haus einsetzen, um Vertrauen und Verständnis aufzubauen. Das Programm nutzt lokale Netzwerke und die Kenntnis von Zielhaushalten, von denen man weiß, dass sie einem hohen TB-Risiko ausgesetzt sind, um die einzelnen Personen zu erfassen und ihnen die erforderlichen 
Gesundheitsunterstützungs-mechanismen zur Verfügung zu stellen. Das Prpgramm befähigt den Einzelnen, Informationen zu verbreiten und als Induktion für das Engagement anderer, oft schwerer zu erreichender Einzelpersonen und Gemeinden zu agieren.

Grundsätzlich verwendet das Programm eine einzigartige mobile IT-Anwendung, um die Patienten in der Gemeinde zu erfassen und sie mit ihrer nächstgelegenen Gesundheitseinrichtung zu verlinken; dies ermöglicht Nachverfolgung, Monitoring und breitere Strategien für gesellschaftliches Engagement auf Data-Basis.

Dies hat beeindruckende Resultate gezeigt. 2015 bis 2016 testete das Projekt in Maputo 247.342 Leute, die einem hohen Risiko von HIV ausgesetzt sind; 21.348 dieser Personen wurden als seropositiv identifiziert; 97,5 % der Menschen, die als HIVpositiv identifiziert wurden, wurden auch auf TB untersucht, was dazu führte, dass 747 Menschen in TB-Behandlung genommen wurden. Diese Herangehensweise sichert, dass die Menschen sowohl ihren HIV- als auch ihren TB-Status kennen, stattet sie mit Wissen aus und gibt ihnen Antrieb, etwas dagegen zu tun.

Die hochansteckende Natur von TB macht Prävention zu einer effizienten Investition – mit jeder Person, die gegen TB behandelt wird, trägst du direkt zur Verhinderung des Übergriffs der Infektion auf andere Familien und Gemeindemitglieder bei. Der Multiplikationseffekt der Investition gepaart mit der Dringlichkeit der Epidemie sollten genügen, um dieses Thema ins Rampenlicht der öffentlichen Debatte über Gesundheitspolitik zu stellen.

Auf der Ministerkonferenz in Moskau im November und dem hochrangigen UN-Meeting 2018 werden wir uns für stärkeres Engagement seitens der Zivilgesellschaft, Regierungen und Institutionen einsetzen sowie für die weitgestreute Implementierung eines verlässlichen Rahmenwerks für TB-Prävention. Wir glauben, dass geballtes Engagement gemeinsam mit beständigen Mechanismen der Verlässlichkeit dieser vermeidbaren, noch tödlichen Krankheit ein Ende setzen können. Ansätze, die sinnvolles gemeinschaftliches Engagement einbezieht, begründet auf erprobten und getesteten Methoden und Modellen sowie die Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden, müssen priorisiert, finanziert und wiederholt werden, wenn wir der TB-Epidemie das Genick brechen wollen.

Risiko-Gemeinden benötigen einen Ansatz, der sie ermächtigt, mit ihnen berät und ihre Fähigkeit, den Kampf gegen TB zu führen, stärkt. Wir können uns ein weiteres verlorenes Jahrzehnt nicht leisten. ...

 Ib Hansen

 Der Autor Ib Hansen arbeitet seit 1970 im Bereich internationale Entwicklungsarbeit. Mit der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 befand sich Ib unter den ersten internationalen Freiwilligen, die Prpjekte in diesem  Lande einrichteten, vor allem um Tausende junge Flüchtlinge aufzunehmen, zu bilden und zu integrieren, die aus den Flüchtlingslagern in Mosambik in ihre Heimat zurückkehrten.

Klimawandel

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft Indiens

Anfang November trafen einander Diplomaten, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft in Bonn zu einer weiteren Runde der UN-Klimagespräche COP23. Der Chefverhandler Indiens, Ravi Shankar Prasad, merkte in seinem Beitrag am ersten Tag der Gespräche an, welches Vertrauen denn die Entwicklungsländer haben sollten, dass die Beschlüsse der COP23 geachtet würden, wenn die (reichen) Nationen die auf den vergangenen COPs gefassten Beschlüsse nicht befolgen.

Indien kenne nur zu gut die Auswirkungen des Wandels der Wetterverhältnisse und habe sich als Frontstaat am Kampf gegen sie beteiligt. Der Klimawandel hat zahlreiche Sektoren wie Landwirtschaft, Wasservorräte, Forstwirtschaft und Energie schwer betroffen. Während niemand immun ist gegem den Klimawandel, treffen ihre Rückwirkungen die Armen härter als irgendjemanden sonst.

HUMANA People to People hat sich mit Bauern auf dem Lande im Bundesstaat Rajasthan zusammengetan, um nachhaltige Gemeinden aufzubauen. Die Initiativen beinhalten die Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, Bauern und Händler werden zu grünen Praktiken ermutigt durch Propagierung sauberer umweltfreundlicher Modelle. Dies alles trägt dazu bei, die wachsenden Herausforderungen des Klimawandels einzuschränken und sich diesen anzupassen. Die Idee ist, die Bauern auf dem Lande zu befähigen, wettbewerbsfähige Mechanismen aufzubauen, die helfen, ihre ländlichen Lebensumstände zu verbessern, bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt in diesem Prozess.

Rajasthan ist ein Dürre-anfälliger Staat  mit großen Rinderherden (rund 10,13 % des Nutztierbestandes des Landes). HUMANA People to People arbeitete mit den Gemeinden zusammen, um Biogas-Anlagen aufzubauen und sicherte damt, dass der Dung, der vom Vieh in der Gemeinde produziert wird, verfügbar gemacht wird für die Produktion von Biogas. Biogas-Anlagen erzeugen im Nebenprodukt auch einen organischen Dünger genannt Gülle. Gülle ist eine sichere, nährstoff-reiche Alternative zu chemischen Düngemitteln, die für Getreide und Bäume angewandt werden kann.

“Biogas für verstärkte Lebensqualität” war ein  3-Jahres-Projekt, das 2014 startete und 2016 auslief. Es wurde von HUMANA People to People India implementiert. Aus dem Projekt zogen 100 Dörfer im Bezirk Dausa ihren Nutzen. Im Rahmen des Projekts wurden 800 Biogas-Anlagen konstruiert. Durch diese Biogas-Anlagen erhalten die Familien Zugang zu sauberer Energie für Kochen und Beleuchtung. Der Gebrauch von Bio-Gülle, dem Nebenprodukt des Fermentationsprozesses, wird in der Landwirtschaft als Dünger angewandt, und dies führt zu gesteigerter landwirtschaftlicher Produktion. Dieser Prozess reduziert auch die Ausgaben für chemische Düngemittel einschließlich Pestizide und erleichtert die Arbeitslasten insbesondere der Frauen auf dem Lande.

Eine Analyse der Auswirkung dieses Projekts zeigt, dass Verbesserungen nicht nur bei der landwirtschaftlichen Produktion erzielt wurden, sondern dass er auch einen positiven Einfluss auf Familienebene hatte. Nachstehend ein Auszug aus der externen Evaluierung des Projekts „Biogas für verstärkte Lebensqualität“ in Dausa, Bundesstaat Rajasthan, Indien:

“Sugni Gurjar und Ratiram Gurjar, 45 bzw. 52 Jahre alt, sind Bewohner von Garhdoobi, Bandikui. Die Familie  besteht aus 7 Erwachsenen und 6 Schulkindern. Die vorwiegende Brennstoffquelle vor dem Biogas-Bau war Brennholz, die später fast zur Gänze durch Biogas ersetzt wurde.

Die Familie verfügt über einen aktiven Küchengarten von rund 0,5 ha, in dem sie Gemüse wie Auberginen, Blattgemüse, Chilis, Bohnen und anderes Saisongemüse züchten. Die Produktion wird zur Gänze von den Familienmitgliedern konsumiert.

Die Familie hat damit begonnen, ausschließlich Bio-Gülle im Gemüsegarten zu verwenden, und dies war die dritte Ernte nach Einführung der Gülle. Die Familie berichtete, dass der Ertrag höher als früher war, als sie Düngemittel und Chemikalien verwendeten. Tatsächlich konnten sie bei der letzten Ernte eine signifikante Verbesserung feststellen, möglicherweise aufgrund der Tatsache, dass der Boden Zeit braucht, sich infolge der Düngeranwendung zu verändern.

Die Größe des Gemüses ist gewachsen und auch der Geschmack ist jetzt besser. Die Familie betrachtete diese überlegenen Produkte als potentielles Mittel, durch den Verkauf ihrer Produkte Einkommen zu erzielen, und plant jetzt, mehr Land für ihren Gemüsegarten zur Verfügung zu stellen.“


HUMANA People to People ermöglichte den Bau von 737 Biogas-Anlagen in den Staaten Rajasthan und Haryana, die sich in den vergangenen 6 Jahren direkt auf mehr als 4.332 Menschen auswirkten. Weitere 200 Biogas-Anlagen werden voraussichtlich in der dritten Projektphase, endend mit  2019 gebaut.

 

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